The Victoria Dimension | africanpaper.com (german)

Angesichts der enormen Veröffentlichungsflut Edward Ka-Spels wundert es kaum, dass abgesehen von ein paar Die Hard-Fans wohl den meisten Anhängern des schlaftrunkenen Psychedelikers immer wieder einiges entgeht. Auch wenn man eine handvoll Platten des Legendary Pink Dots-Gründers übergeht – er läuft einem ja nicht weg, und sollte man sich in zwei Jahren mal wieder ein Album von ihm zulegen, so wird es einen sicher wieder mit der gleichen soliden Schrägheit beglücken wie eh und je. Schade wäre es nur, wenn dabei ausgerechnet das vor kurzem erschienene„The Victoria Dimensions“ ungehört bliebe. Aber vielleicht sorgt ja der Titel, der an den LDP-Klassiker „The Maria Dimensions“ anspielt, ja bei einigen fürs nötige Aufmerken.

Klassisch ist „The Victoria Dimension“ zumindest insofern, dass es die wichtigsten Motive und Stilelemente aufleben lässt, die in Ka-Spels Werdegang eine wichtige Rolle gespielt haben. Allem voran ist die Platte eine Feier der Simplizität: Simple Handdrums, schlichtes Fingerpicking und Harmoniumdrones von kindlich anmutender Melodik kontrastieren von Titel zu Titel mit aggressiven, aber monotonen Synthies und monumentalen Detonationen, die die Wurzeln des Musikers in Erinnerung rufen, die eben nicht nur im Psychedelic, sondern ebenso in der alten Industrial-Culture gewachsen sind.

Über all dem verschafft sich eine immer noch jungenhafte Stimme Gehör, die so abwegige Assoziationen wie Paul McCartney oder einen von „simple love“ singenden G.P-Orridge weckt und doch in erster Linie an ein Kind erinnert, dass sich bei seinen Gehversuchen am Mikrophon rührende melodische Eselsbrücken baut. Im Zusammenhang mit der meditativen Entrücktheit vieler Stücke entwickelt die kaum forciert wirkende Unbeholfenheit ein enormes Charisma, und wenn Ka-Spels nasale Stimme im beklemmenden „Night Terror“ von der Angst vor dem Supergau des Phlegmas kündet, nimmt man ihm die lähmende Angst ab.

Neben verwischten, tremolierenden Soundscapes enthält „The Victoria Dimension“ mit „Limbourgia“ und „Red Highway“ auch ein paar veritable Songkracher, und ist trotz seiner Heterogenität doch irgendwie aus einem Guss. Keine chlechte Wahl für den Wiedereinstieg, und Neuankömmlinge, die vorher nur Namen immer mal wieder zu hören bekamen, können hier ihre Lücke bestens füllen.

 

Source: http://africanpaper.com/2015/02/14/edward-ka-spel-the-victoria-dimensions/

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